Uns blutet das Herz: Viele Organisationen sehen Privileged-Access-Management-Lösungen als zu komplex an (Mit Blick auf die Tools etablierter Hersteller teils berechtigt!). Ein Gefühl, das sich direkt auf die Verbreitung auswirkt. Laut KPMG-Studie vertraut nur jedes vierte Unternehmen auf ein PAM – und setzt sich unfreiwillig einer der größten Gefahren für IT-Systeme aus: ungeschützte privilegierte Nutzer aufgrund mangelnder Zugriffskontrollen. Gerade im Zusammenspiel mit zunehmender Remote-Arbeit und Auslagerung von IT-Aufgaben an Dienstleister bahnen sich weitere Risiken an.
PAM – das Rückgrat moderner IT-Sicherheit
So manchen entlockt die nächste Abkürzung im Cyber-Security-Dschungel einen müden Seufzer. Doch ohne ein solides Privileged Access Management öffnen Unternehmen Tür und Tor für Cyber-Kriminelle. Denn diese schätzen es sehr, wenn Verantwortliche ihre sensibelsten Systeme lediglich mit schwachen Zugangskontrollen sichern und weiterhin geteilte Passworte oder Konten erlauben.
Deshalb braucht es eine PAM-Lösung, die privilegierte Konten verwaltet, überwacht und absichert – sei es für interne Administratoren, DevOps-Teams oder externe Dienstleister. Privilegierte Konten haben direkten Zugriff auf kritische Systeme oder vertrauliche Informationen, weshalb sie Hauptziel von Angreifern darstellen. Ohne PAM bleibt dieser Zugang oft nur ungenügend kontrolliert, Passwörter werden über Abteilungsgrenzen hinweg geteilt oder in unsicheren Dokumenten gespeichert. Doch mit geschützten internen Zugriffen sind noch nicht alle Hürden überwunden. Firmen sollten sich ebenso die Frage stellen, wie es um ihre Fernzugriffe – etwa durch die Dienstleister – steht.
Ein Blick ins PAM-Detail
Privileged Access Management (PAM) versteht sich als Teil eines umfassenden Identity and Access Managements. Während Identity-Governance-and-Administration-Tools (IGA) die Verwaltung des Benutzerlebenszyklus, der digitalen Identitäten, Rollen und Konten abdeckt, sichert die Multi-Faktor-Authentifizierung in Kombination mit Single Sign-On (SSO) den Zugriff auf Applikationen mit ausgewogener Benutzerfreundlichkeit ab.
PAM fokussiert sich auf die Absicherung privilegierter Konten, deren Zugriffe auf Zielsysteme und die konkrete Begrenzung, wer aus dem Admin-Team denn nun wann auf welches System zugreifen kann – und vieles mehr.
- Automatisierte Erkennung privilegierter Konten: Neu hinzugefügte Anwendungen und Systeme werden erkannt und deren privilegierte Konten als „zu kontrollieren“ erfasst.
- Zentrale Verwaltung privilegierter Konten: Es erfolgt eine klare Zuordnung, welche Personen auf welche Konten zugreifen können.
- Session-Management und Monitoring: Jeder Zugriff wird aufgezeichnet und kann im Verdachtsfall nachvollzogen werden.
- Automatisierte Zugriffskontrollen: Berechtigungen werden temporär vergeben und nach Nutzung entzogen – das „Always-on“-Problem wird eliminiert.
- Password Vaulting & Rotation: Privilegierte Zugangsdaten werden sicher gespeichert und regelmäßig geändert, um das Risiko kompromittierter Accounts zu minimieren.
New Work. Obsolete Technology!
In einer Zeit, in der Remote Work und hybride IT-Umgebungen Standard sind, müssen immer mehr Nutzer von außerhalb der Unternehmensgrenzen administrativ auf kritische Systeme zugreifen. Dazu gehören eigene Administratoren im Homeoffice, externe Dienstleister und Cloud-Teams. Genau hier öffnen sich neue gefährliche Sicherheitslücken.
Viele Unternehmen versuchen, dieses Problem mithilfe von VPNs (Virtual Private Networks) oder einfacher Remote-Access-Lösungen wie etwa TeamViewer zu lösen. Aufsichtsbehörden und Auditoren halten das aber nicht mehr für den „Stand der Technik“. Die Granularität der „Wer-darf-wann-was“-Zuordnung und die Speicherung der dazu gehörenden Logs an zentraler Stelle sind nicht mehr ausreichend. Mal abgesehen von der fehlenden Möglichkeit, moderne Authentisierungsverfahren wie Passkeys oder FIDO2-konforme MFA-Tokens einbinden zu können.
Unkontrollierte VPN-Nutzung: Ein Spiel mit dem Feuer
Das Problem mit althergebrachten VPNs und einfachen Internet-Proxy-basierten-Lösungen ist simpel: Sie wurden schlichtweg nicht für die gestiegenen aktuellen Anforderungen aus KRITIS, DORA und NIS2 entwickelt und sind für die Vielzahl der fein zu unterteilenden Zielpunkte nicht ausgerichtet. Wer sich über ein VPN ins Unternehmensnetzwerk einloggt, bekommt in vielen Fällen Zugang zum gesamten internen Netz – und damit zu weit mehr Systemen als wirklich nötig. Sind die Zugangsdaten eines Nutzers kompromittiert, hat der Angreifer freie Bahn.
Besonders gefährlich wird es, wenn Mitarbeiter oder externe Dienstleister VPNs auf privaten oder unsicheren Geräten verwenden. Denn oft fehlen dort grundlegende Sicherheitsmaßnahmen, Updates werden vernachlässigt oder es laufen sogar Malware-infizierte Prozesse im Hintergrund. Ein einziger kompromittierter Laptop kann eine komplette IT-Infrastruktur gefährden, infiltrieren und zerstören.
PRA – das fehlende Puzzleteil zur Security-Strategie
Privileged Remote Access, kurz PRA, ist der logische nächste Schritt, um externe Zugriffe auf dem Stand der heutigen Technik zu schützen – als Ergänzung zum internen PAM. Denn zusammen bilden sie ein Dreamteam! PRA ersetzt klassische VPNs durch kontrollierte, kontextbasierte Zugriffe, die sich an Zero-Trust-Prinzipien orientieren. Anstatt ein komplettes Netzwerk zu öffnen, ermöglicht die Lösung granularen Zugriff auf genau die Systeme, die eine Person für eine spezifische Aufgabe benötigt – nicht mehr, nicht weniger.
- Jeder Zugriff wird einzeln geprüft – basierend auf Gerät, Standort und Nutzungskontext. Nur autorisierten Benutzern wird letztlich Zugriff auf Anwendungen oder spezifische Systeme gewährt.
- Keine Berechtigung muss dauerhaft bestehen bleiben. Jeder Zugriff ist temporär einschränkbar und kann nach einer bestimmten Zeit automatisch deaktiviert werden.
- Für jede Art von Zugriff und jedes Zielsystem oder jede Gruppe an Assets kann die passende Variante der Multi-Faktor-Authentifizierung definiert werden – ein weiterer anpassbarer Sicherheitsmechanismus des Privileged Remote Access.
- Jede Sitzung wird detailliert überwacht und analysiert. Verdächtige Aktivitäten werden in Echtzeit erkannt und blockiert. Logs werden an das lokale SIEM oder Log Management gesendet.
Zudem können sich Unternehmen auf Compliance ohne Kopfschmerzen freuen. Ob DSGVO, ISO 27001 oder NIS2 – sichere Zugriffsverwaltung ist mittlerweile nicht nur eine Empfehlung, sondern eine gesetzliche Anforderung. Mit PRA sind sämtliche Zugriffsdaten protokolliert, sodass Unternehmen jederzeit nachweisen können, wer wann auf welche Systeme zugegriffen hat. Ein Nachbessern bei Audits ist nicht nötig. Stattdessen sind Anforderungen von Anfang an sichergestellt.
In der Praxis: Sicherer Zugriff für externe Anbieter
Neben internen Remote-Benutzern müssen Unternehmen auch externe Dienstleister, Partner oder Agenturen sicher in ihre IT-Umgebung einbinden. Häufig benötigen externe Anbieter Zugriff auf sensible Systeme – sei es zur Wartung, für den IT-Support oder für operative Tätigkeiten. Doch ohne eine sichere Verwaltung dieser Zugriffe entstehen massive Risiken. Dauerhafte VPN- oder Admin-Zugänge für externe Partner öffnen ein Einfallstor für Bedrohungen. Zudem fehlt es häufig an einem vollständigen Prüfpfad, wer welche Änderungen vorgenommen hat. Viele Unternehmen gewähren externen Anbietern zu weitreichende Berechtigungen, die über das eigentliche Aufgabengebiet hinausgehen.
Mit dem Konzept des Privileged Remote Access gestalten Verantwortliche den Zugriff für externe Anbieter kontrolliert, begrenzt und nachvollziehbar:
- Just-in-Time-Berechtigungen sorgen dafür, dass externe Nutzer nur dann Zugriff erhalten, wenn dieser wirklich erforderlich ist. Nach Abschluss der Arbeit lässt sich dieser unmittelbar entziehen.
- Die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) stellt sicher, dass sich lediglich legitimierte Personen anmelden können – ähnlich wie bei der internen Handhabe.
- Sämtliche Anbieter-Aktionen werden in einem Prüfpfad dokumentiert, sodass Unternehmen jederzeit Änderungen an Systemen nachvollziehen können.
Durch die Integration von PRA in ihre Security-Strategie stellen Firmen sicher, dass sowohl interne als auch externe privilegierte Zugriffe lückenlos geschützt sind – und Cyber-Attacken keine Angriffsfläche finden.
Zeitgemäß sicher
Es ist eine einfache Gleichung: Unternehmen, die weiterhin auf veraltete VPN-Strukturen setzen, sind leichte Beute für Angreifer. Wer hingegen mit PAM und PRA Zugriffe privilegierter Nutzer gezielt überwacht, holt maximale Sicherheit für die Firma heraus. Unnötige Risiken lassen sich dadurch vermeiden und eine moderne und zukunftssichere IT-Sicherheitsstrategie zieht ins Unternehmen ein.
