Privileged Access Management, kurz PAM, hat eine zentrale Aufgabe inne: Die Kontrolle kritischer Zugriffe. Doch davon weicht die Realität häufig ab. Der Grund liegt vor allem darin, dass PAM vor rund zwanzig Jahren entwickelt wurde. Das sogenannte Vaulted PAM war auf die damalige IT-Welt ausgelegt – eine überschaubare Zahl privilegierter Benutzer und Server als zentrale Systeme. Cloud-Infrastrukturen, Container, Maschinenidentitäten und künftig auch autonome KI-Agenten verdeutlichen: Gut zwei Jahrzehnte später stellen sich neue Anforderungen an die Zugriffssteuerung.
Wo hakt es?
Um Veränderung zu erreichen, brauchen Unternehmen aber erst ein Verständnis davon, wo klassisches PAM an seine Grenzen stößt. Dabei zeigt sich in vielen Organisationen ein ähnliches Muster: Das PAM als Sicherheitsmechanismus für geschützte, sensible Zugriffe ist zwar vorhanden, aber erfüllt nicht seinen Zweck und blockiert im schlimmsten Fall sogar den operativen Betrieb. Vier Stolpersteine müssen Verantwortliche besonders häufig überwinden.
Schlechte User Experience – Prädikat „nervig“
Fragt man bei IT-Experten nach der Beliebtheit von PAM, hält sich die Begeisterung meist in Grenzen. Was man niemandem übelnehmen kann. Schließlich strotzen PAM-Lösungen oftmals vor Komplexität. Das Durchlaufen mehrerer Systeme und Sicherheitsstufen wirkt sich ebenso negativ auf die Benutzerfreundlichkeit aus. Frustration breitet sich in IT- und DevOps-Teams aus – auch, weil durch die aufwendige Administration (zusätzliche Authentifizierungsschritte und Genehmigungsprozesse) unnötig viele Ressourcen gebunden werden.
Der Zeitgeist lässt sich in klassischen PAM-Lösungen ebenso nicht abbilden. Aktuell geht der Trend in Richtung „Passwordless Authentication“. Doch Passwortrotation und statische Credentials werden beibehalten. Geht es so weit, dass Mitarbeiter die Sicherheitslösung als Hindernis wahrnehmen und versuchen, diese zu umgehen, steigt sogar das Risiko für ungeschützte Zugriffe.
Umständlicher Zugriff – Prädikat „ineffizient“
Die praktische Arbeit mit PAM wird noch komplizierter: durch indirekte Zugriffswege. Administratoren greifen nämlich nicht direkt auf Zielsysteme zu. Stattdessen führt der Weg über mehrere Zwischenstationen (Jump Hosts, Webportale, Proxy-Systeme). Beispiele aus der Unternehmenspraxis verdeutlichen die verworrenen Arbeitsumgebungen. So müssen Linux-Admins beispielsweise über einen Windows-Browser auf Linux-Systeme zugreifen, obwohl durch native Tools wie SSH bereits praktikablere Vorgehensweisen existieren.
Es entstehen also Medienbrüche ebenso wie Abhängigkeiten von Tools und Plattformen. Denkt man an vorherrschende, dynamische IT-Umgebungen wie Container-Umgebungen oder Cloud-Infrastrukturen, die von schnellen und direkten Zugriffen leben, zeigt sich die Problematik.
Kritische Pfade – Prädikat „sicherheitskritisch“
Wo zentrale Sicherheitskomponenten zur Gefahr werden, ist klar, dass sich etwas ändern muss. Genau das trifft auf klassisches PAM zu. Denn privilegierte Zugriffe laufen über das zentrale PAM-System, zum Beispiel Vaults, Gateways oder Session-Proxys. Dadurch kommt es zu einer starken Abhängigkeit einzelner Komponenten. Zudem kann sich die Security-Infrastruktur selbst zum Problem entwickeln. Fällt eine PAM-Komponente aus, sind privilegierte Zugriffe auf kritische Systeme nicht mehr möglich.
Letztlich erschwert die komplexe Integration nicht nur die Einführung, sondern auch den regelmäßigen Betrieb. Lange Implementierungszeiten entstehen beispielsweise durch die Integration von PAM in unterschiedliche Systeme wie Verzeichnisdienste, Zielsysteme oder Datenbanken. Dass Abhängigkeiten und komplexe Architekturen gleichfalls einen hohen Implementierungsaufwand nach sich ziehen, erschließt sich von selbst.
Eingeschränkte Handlungsfähigkeit – Prädikat „blockierend“
Schnelles Handeln ist insbesondere bei Incidents und Systemstörungen dringend notwendig. Doch aufgrund der bisher benannten Schwierigkeiten ist dies mit klassischem PAM allenfalls erschwert möglich. Privilegierte Zugriffe sind häufig an zusätzliche Sicherheitsprüfungen gebunden. Die eigentlichen Schutzmaßnahmen verzögern sich dadurch und die Bedrohung bleibt länger bestehen. Administratoren können nicht unmittelbar auf Systeme zugreifen, was die Flexibilität im Betrieb senkt.
Das geht teils sogar so weit, dass IT- und DevOps-Verantwortliche ihren Dienst quittieren: „Wenn wir PAM einführen, dann kündige ich.“ (So haben wir das wirklich einmal im Kundenkontakt gehört.)
Neue Realität privilegierter Zugriffe
Unternehmen müssen heute Identitäten und Zugriffe über hybride IT-Infrastrukturen hinweg verlässlich steuern können. Häufig beinhaltet das auch eine Vielzahl spezialisierter Lösungen. Schätzungen zufolge kommen dabei mehr als 1.600 Produkte von über 120 Anbietern zum Einsatz. Die operative Realität zeigt sich entsprechend fragmentiert – mit steigenden Risiken und Compliance-Lücken.
Außerdem entwickelt sich die IT-Landschaft weiter. Organisationen planen zunehmend den Einsatz von autonomen KI-Agenten, automatisierten Plattformdiensten und Millionen von Maschinenidentitäten, für die Verantwortliche das Thema „geschützte privilegierte Zugriffe“ mitdenken müssen. Mit den exponentiell steigenden Autorisierungsanfragen bestehen neue Anforderungen an Geschwindigkeit und Skalierbarkeit der Zugriffskontrolle. Gefordert sind dynamischere, transparentere und stärkere IT-Landschaften, die auf die Realität abgestimmt sind. Dringend nötig ist daher eine PAM-Transformation.
Checkliste: Was modernes Privileged Access Management leisten muss
Doch wo ansetzen? Bei der Suche nach einer modernen PAM-Lösung. Diese neun Punkte sollten dabei nicht fehlen, um bisherige Stolpersteine sicher aus dem Weg zu räumen.
1) Kontinuierliche Zugriffskontrolle
Zugriffe lediglich beim Login zu prüfen, birgt Gefahren. Lösungen, die während der gesamten Sitzung Checks durchführen, sind zu bevorzugen. Jede Aktion – etwa ein Datenbank-Query oder ein Admin-Befehl – lässt sich so kontextbasiert autorisieren.
2) Policy-basierte Zugriffskontrolle
Zentrale Richtlinien erleichtern die Zugriffssteuerung. Dank einbezogener Kontextfaktoren wie Rolle, Gerät, Standort oder Zeit sind die wichtigsten Informationen stets eingeholt.
3) Just-in-Time-Privilegierung
Privilegierte Rechte werden nur dann vergeben, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Damit reduziert sich das Risiko kompromittierter Accounts, die dauerhafte Administratorrechte nach sich ziehen können.
4) Zentraler Überblick über privilegierte Aktivitäten
Alle privilegierten Zugriffe lassen sich nachvollziehbar protokollieren. Session Recording und Audit-Logs ermöglichen eine lückenlose Nachvollziehbarkeit – ein wichtiger Baustein für Security Operations und Compliance.
5) Maschinenidentitäten im Blick
Moderne Infrastrukturen bestehen aus menschlichen und nicht-menschlichen Nutzern. Somit benötigen auch Service Accounts, APIs, Anwendungen und automatisierte Workloads kontrollierte privilegierte Zugriffe.
6) Native Integration in Cloud- und Hybrid-Infrastrukturen
Egal ob Cloud, On-Premises-Systeme, Container-Umgebungen oder Datenbanken – moderne PAM-Lösungen steuern Zugriffe über unterschiedliche Umgebungen hinweg.
7) Kein Exposure sensibler Credentials
Es ist nicht weiter nötig, Passwörter oder statische Zugangsdaten an Administratoren auszugeben. Dadurch minimiert sich die Bedrohung „Credential-Leaks“.
8) Integration mit Identity Governance
Ein Plus für die Benutzerfreundlichkeit: Privilegierte Zugriffe lassen sich in bestehende Identity- und Access-Management-Prozesse integrieren. Entitlements, Rollenmodelle und Rezertifizierungen bleiben konsistent.
9) Skalierbare Architektur für dynamische Umgebungen
Die Zugriffskontrolle wird durch stark wachsende Identitätszahlen nicht eingeschränkt – etwa bei Cloud-Workloads, CI/CD-Pipelines oder automatisierten Systemen.
Unser Tool-Tipp
Einen modernen Ansatz im Privileged Access Management bietet die Plattform StrongDM. Ihr Leitsatz: Continuous Authorization statt einmaliger Authentifizierung.
Dabei berücksichtigt die Plattform mehrere Dimensionen gleichzeitig:
- Identität: Wer greift zu?
- Gerät: Worüber erfolgt der Zugriff?
- Kontext: Wo und wann erfolgt der Zugriff?
- Aktion: Was soll konkret ausgeführt werden?
Durch die kontinuierliche Bewertung lassen sich privilegierte Zugriffe in Echtzeit kontrollieren. Die Lücke zwischen Authentifizierung und tatsächlicher Nutzung von Systemen schließt sich – und damit erhöht sich die Sicherheit in dynamischen IT-Umgebungen.
Sicher – ohne Einschränkungen
Privileged Access bleibt eine der kritischsten Sicherheitsfragen moderner IT-Landschaften – und unbeliebt. Doch das lässt sich ändern. Schließlich warten moderne PAM-Lösungen auf, um Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit auf eine höhere Ebene zu heben. Es lohnt sich ein Blick auf neue Möglichkeiten – vor allem, um die nahtlose Integration veränderter IT-Architekturen zu gewährleisten.
