Niemand stellt es infrage: Privilegierte Zugriffe sind hochkritisch und müssen ausreichend geschützt werden. Doch Projekte, in denen ein Privileged-Access-Management-Werkzeug eingeführt wird, haben meist ein schlechtes Standing in Unternehmen. Sie sind teuer, erzeugen Komplexität und operative Reibung. Das muss jedoch nicht so sein. Wer PAM nicht allein als Sicherheitswerkzeug versteht, sondern auch unter Effizienz-, Betriebs- und Nutzungsaspekten betrachtet, erkennt das schnell.
Wandel in der IT-Infrastruktur. Wandel im PAM!
Der Markt für Privileged Access Management wächst stetig weiter. Wird 2026 mit einem Marktvolumen von 5,58 Milliarden US-Dollar gerechnet, könnten im Jahr 2034 bereits 30,69 Milliarden US-Dollar Marktanteil realistisch sein (Quelle: Fortune Business Insights). Das zeigt deutlich: Der Schutz und die Kontrolle des Zugriffs auf privilegierte Konten werden immer relevanter – und zwar nicht nur in kritischen Branchen mit hohem Compliance-Druck.
Dafür mitverantwortlich ist vor allem die sich ändernde IT-Infrastruktur. Als PAM erfunden wurde, herrschte eine andere IT-Umgebung vor. Sie war stärker auf geteilte Admin-Konten in langlebigen Systemen fokussiert, die zudem im eigenen Rechenzentrum zu Hause waren. Heute treffen klassische PAM-Ansätze auf Multi-Cloud, Container, Infrastructure as Code, DevOps, dynamische Workloads und Automatisierung, wodurch die Lücke zwischen Betriebsrealität und umsetzbarem Schutz deutlich wird.
Privilegierte Zugriffe werden also vielerorts noch statisch gedacht, obwohl sie in modernen IT-Umgebungen kontextbezogen, kurzlebig und deutlich granularer organisiert werden müssten. Wenn Systeme nur kurz existieren, automatisiert erzeugt werden und sich laufend verändern, stoßen starre Vault-, Freigabe- und Session-Logiken schnell an praktische Grenzen.
Kostenfaktor PAM
Die Konsequenz: Klassisches PAM müssen Unternehmen aufwendig installieren, konfigurieren, und dann teure Vaults betreiben, in denen zwangsrotierte Credentials lagern. Somit fallen nicht nur direkte Kosten für die Infrastruktur, Storage, Lizenzen und den Betrieb an, sondern klassisches PAM hat auch einen versteckten Preiszettel. Der wohl größte Kostenfaktor ist ein unverhältnismäßig hoher Betriebsaufwand. Verantwortlich sind dafür viele Sonderprozesse und manuelle Freigaben, komplexe Implementierungs- und Integrationsprojekte, die zu Reibungsverlusten im Tagesgeschäft führen.
Schließlich kann Frustration entstehen – insbesondere bei den betroffenen Admins. Sie müssen viel Zeit in den Betrieb eines veralteten PAM stecken und leiden aus User-Experience-Sicht unter ihrem eigenen Werkzeug:
- komplizierte Zugriffsmechanismen
- fehlende oder schlechte Benutzerführung
- Verzögerung beim Erhalt kritischer Zugriffe
- Medienbrüche
- umständliche Freigabe- und Check-out-Prozesse
- sinkende Akzeptanz
Laufen die Prozesse nicht rund, kann sich die Unzufriedenheit auf das ganze Team ausbreiten. Sicherheitslösungen werden als Hürde statt als Hilfe wahrgenommen. Ist ein gewisser Grad erreicht, ist die Nutzung von Schatten-IT denkbar und neue Angriffspunkte entstehen. Genau darin liegt ein oft unterschätztes Risiko: Nicht trotz, sondern wegen eines schlecht nutzbaren PAM können neue Sicherheitslücken aufklaffen.
Für Unternehmen heißt das: Nicht nur Angriffe können ihnen teuer zu stehen kommen. Auch ein schlecht aufgesetztes PAM kostet Geld – jeden Tag. Teurer Speicher für aufgezeichnete Sessions, Wartezeiten auf Freigabe des Zugriffs, Medienbrüche, manuelle Abarbeitung statt Automation führen zu Produktivitätsverlusten und Frustration auf Seiten der Mitarbeiter.
Spannungsfelder vereinen
Bei Privileged Access Management müssen also mehrere Stränge Beachtung finden: Die IT-Security will ganz klar Kontrolle über privilegierte Konten und Zugriffe. Admins hingegen brauchen zusätzlich vor allem eine nutzerfreundliche Umgebung, um Geschwindigkeit für ihre Arbeit gewährleisten zu können. Die Unternehmensführung wiederum will ein effizientes und wirtschaftliches System.
Zugleich steigen die Anforderungen an Governance und Compliance. Das verschärft das Problem klassischer PAM-Systeme weiter. Organisationen sind gefordert, klassische Vault-, Check-out- und Freigabelogiken zu hinterfragen und PAM weiterzudenken – weit über Sicherheitsaspekte hinaus.
PAM 2.0: sicher, benutzerfreundlich und wirtschaftlich
Wie sieht ein PAM-Modell aus, das Sicherheit nicht nur kontrolliert, sondern betrieblich tragfähig macht? An dieser Stelle rückt die User Experience für Admins in den Fokus. Dadurch lässt sich nicht nur der Schutz optimieren, sondern vor allem lassen sich die oben erwähnten versteckten indirekten Kosten reduzieren. Weniger Reibung und bessere Kontrollierbarkeit sind hierfür essenziell.
Damit PAM diesen Anspruch einlösen kann, braucht es mehr als klassische Tresor- und Freigabelogiken. Entscheidend sind Funktionen, die Sicherheit, Betriebsrealität und Nutzerfreundlichkeit zusammenbringen.
1) Just-in-Time-Zugriffe statt Dauerprivilegien
Das Ziel ist klar: Unternehmen müssen ihre Angriffsflächen reduzierten. Dauerhafte Berechtigungen wirken hier genau entgegengesetzt.
Daher dürfen moderne PAM-Systeme Privilegien nur nach Bedarf und zeitlich begrenzt vergeben. Danach sollten die vergebenen Privilegien automatisch wieder entzogen werden, damit sie nicht unbeabsichtigt bestehen bleiben. Eine nachvollziehbare Dokumentation bringt zusätzliche Transparenz.
Dieses Prinzip ist eng mit Zero Standing Privilege (ZSP) verbunden: Privilegierte Rechte sollen nicht dauerhaft bestehen, sondern nur für den konkreten Bedarf und den notwendigen Zeitraum aktiviert werden.
2) Fein granulare und kontextbezogene Autorisierung
Nicht jeder Admin benötigt die gesamte Klaviatur an Zugriffsrechten. Diese müssen situativ passen. Damit erreichen Organisationen eine bessere Balance zwischen Sicherheit und Nutzbarkeit.
Die zentrale Frage lautet: Wer darf was, wann, wie lange, in welchem Kontext, zum Beispiel über welches Gerät, an welchem Standort, mit welchem Zielsystem? Ein PAM, das rollen-, aufgaben- und ressourcenbezogen arbeitet, bietet echten Mehrwert. Dadurch sinkt nicht nur die Angriffsfläche. Auch die operative Arbeit wird präziser unterstützt, weil Zugriffe nicht pauschal überdimensioniert, sondern passend zur jeweiligen Aufgabe vergeben werden.
3) Unterstützung für Cloud, Container und ephemere Umgebungen
PAM-Modelle haben bislang ihre Schwierigkeiten damit, moderne, dynamische IT-Landschaften adäquat abzudecken. Sicherheit ist somit gefährdet.
Ein modernes PAM muss nicht nur dauerhafte Systeme absichern, sondern auch kurzlebige Workloads, temporäre Instanzen und nicht permanent existierende Zielumgebungen. Ebenso wichtig ist die Integration in DevOps- und Automatisierungsprozesse. Denn privilegierter Zugriff muss auch dort kontrollierbar bleiben, wo Infrastrukturen dynamisch entstehen, sich laufend verändern und in hoher Geschwindigkeit wieder verschwinden.
4) UX für Administratoren
Mit IT-Lösungen verhält es sich immer ähnlich: Die Akzeptanz entscheidet über die reale Wirkung. Werden Admins durch PAM-Systeme ausgebremst, kann sich ein Umgehungsverhalten ausbreiten. Außerdem kostet jede unnötige Hürde im Betrieb Zeit und Geld. Gute User Experience ist deshalb kein Komfortmerkmal, sondern ein direkter Hebel zur Senkung indirekter PAM-Kosten.
Aus diesem Grund sollte ein modernes PAM schnelle Zugriffe bei berechtigtem Bedarf ermöglichen. Klare, einfache Prozesse sind entscheidend. Medienbrüche müssen reduziert und komplexe Check-out- und Freigabewege abgeschafft werden. Die Schlagworte: Zentralisierung und Vereinfachung des Zugriffsmanagements.
5) Automatisierung und Skalierbarkeit
Normalerweise steigen Betriebskosten mit jeder neuen Anforderung. Bei dynamischen IT-Umgebungen kann das ins Geld gehen.
Automatisierte Genehmigungs- und Entzugsprozesse können den manuellen Administrationsaufwand deutlich reduzieren. Gleichfalls sollten PAM-Systeme die Integration in bestehende Betriebsabläufe fördern und skalierbare Richtlinien anbieten. Gerade in wachsenden oder stark verteilten IT-Umgebungen entscheidet die Automatisierung darüber, ob PAM mit dem Betrieb mitwächst oder selbst zum Skalierungsproblem wird.
6) Auditierbarkeit mit Augenmaß
Nachvollziehbarkeit ist wichtig und richtig. Doch hohe Kosten für die Speicherung von Sitzungsaufzeichnungen sind nicht in jedem Fall erforderlich.
Liegt der Fokus auf risikobasierten Aufzeichnungen und einem zielgerichteten Session Management, bleiben Unternehmen auskunftsfähig und müssen gleichzeitig weniger Geld investieren. So lässt sich Compliance sichern, ohne die Storage-Kosten unnötig in die Höhe zu treiben. Ein weiterer Punkt ist die Art der Aufzeichnung: Ist beispielsweise ein Fullscreen Video in 4k wirklich notwendig? Meistens reichen auch stark komprimierte Varianten in geringer Auflösung, um parallel zu den Keyboard Eingaben einen verlässlichen Audit-Trail zu erzeugen.
Ist Ihr PAM für die moderne IT-Infrastruktur gewappnet?
Beantworten Sie diese 8 Fragen und finden Sie es heraus:
- Wachsen Kosten und Komplexität schneller als der eigentliche Sicherheitsnutzen?
- Deckt unser PAM auch dynamische und kurzlebige Umgebungen ab?
- Wie schnell können Admins tatsächlich kritischen Zugriff erhalten?
- Wie hoch ist dabei der manuelle Aufwand?
- Wie viele Prozesse werden umgangen?
- Wie viele dauerhafte Privilegien existieren noch?
- Wie gut lässt sich Zugriff kontextbezogen steuern?
- Passt die Lösung zu Cloud, DevOps und Plattformteams?
Ade, Kosten. Tschüss, Verwaltungsaufwand.
Privileged Access Management ist in vielen Unternehmen ein unliebsames Thema. Schließlich verursacht es oft hohe Kosten und kann auf Seiten der Administratoren für Unmut sorgen. Zumindest, wenn der Ansatz nicht an die moderne IT-Umgebung angepasst wurde. Gefragt ist also ein PAM, das ephemere Infrastrukturen, fein granularen Zugriff, Zero Standing Privilege und eine bessere User Experience zusammenbringt. So lassen sich privilegierte Zugriffe wirksam schützen, ohne Geschwindigkeit, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren.
Ein hilfreicher Leitsatz: Modernes PAM reduziert nicht nur Risiken, sondern auch Reibungsverluste im Alltag.
